Sisyphos


Sisyphos war also ein glücklicher Mensch, meint Camus am Ende seiner absurden Betrachtungen des Lebens. Zu der Einsicht müsste ich kommen, wenn ich Camus bis zur Saga gefolgt bin und versteht, was er mit dem absurden Blick auf die Welt meint. Ich bin mir da nicht so ganz sicher. Es gibt eine Ahnung davon in mir, was er meinten könnte. Nicht vom Wort her, sondern mit Blick auf die Umsetzung, den Alltag, dem Blick aufs Leben. Ein anderer Satz, weniger spektakulär, als das Sisyphos ein glücklicher Mensch gewesen sein muss, finde ich hilfreich:

„Es gibt kein Schicksal, das durch Verachtung nicht überwunden weden kann.“ Natürlich benötigt die Verachtung als Treibstoff den absurden Blick im Sinne von Camus, aber er ist greifbarer.

Sisyphos ist ein interessanter Typ, den ich bisher nur als Narr gesehen habe, der, na eben einen Sisyphos-Job hatte. Es gibt Überlieferungen, die besagen, dass er ein Straßendieb war. Seine Strafe, den Stein immer und immer wieder den Berg hochzurollen, hat er sich dadurch eingefangen, dass er sich beim Aushandeln von Kungeleien verzockt hat bzw. einfach etwas zu respektlos mit den Göttern Fangen gespielt hat. Als es ans Sterben gehen sollte, hat er den Tod überlistet und in Ketten gelegt. Es war wohl so, dass jeder Mensch beim Anblick des Todesgottes in Ohnmacht fiel, so hässlich soll er gewesen sein. Nicht so Sisyphos, der lud den Gevatter zu einem Glas Ouzo ein und trank ihn schlicht unter den Tisch, wo er ihn fesseln und wegbringen ließ. Einhundert Jahre haben die Götter nicht gecheckt, dass keine Menschen mehr sterben, Plutos Reich in der Unterwelt vereinsamte geradezu. Als die Götter spitz bekamen, dass ihnen der Tod abhandengekommen war, suchten sie nach ihm. Apollon fand ihn und Zeus schickte sofort den Kriegsgott Ares los, ihn zu befreien. Der kaum, dass er wieder seinem Werk nachgehen konnte, holte sich Sisyphos Seele. Durch eine weitere List gelangte er an die Erlaubnis, die Unterwelt kurz zu verlassen, um mit seiner Frau ein paar Dinge seiner ausgebliebenen Bestattung zu klären. Von diesem Kurztrip auf die Erde kehrte er nicht wie vereinbart zurück in die Unterwelt. Er hat die Ausnahmegenehmigung um ein paar nette Jahre überzogen. Die Erde war ihm zu süß und freundlich, um sie gegen das Dunkel einzutauschen. So viel Starrsinn und Widerstand ließ letztlich die Götter toben und Merkur selbst brachte ihn in die Unterwelt zurück und gab ihm seine absurde Aufgabe ohne Sinn.

Dieses Schicksal meisterte er mit Verachtung.


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